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Es gibt nicht nur die linke (angebliche) Mehrheitsgesellschaft

Zum Leserbrief in der AZ  am 26.02.2021 von Professor Thomas Vogel aus Natendorf
https://www.az-online.de/leserbriefe/uelzen/uelzen-leserbrief-kritik-leiter-leg-90220453.html

Einigermaßen belustigt aber auch erschüttert über die eindimensionale Sichtweise des Herrn Professor Vogel nahm ich dessen Leserbrief zur Kenntnis. „Bildung ist ein Prozess des Aufwachens. Der Mensch soll sich im Bildungsprozess zunehmend seiner eigenen Prägungen durch Elternhaus und Gesellschaft bewusst werden, sich so selbst erkennend befreien und ein Selbstbewusstsein entwickeln. Solches Glück von Bildung ist den jungen Menschen, die von einem streng ideologischen Umfeld geprägt sind, weitestgehend verstellt.“ Zunächst sei vorangeschickt, dass jeder junge Mensch hauptsächlich das Produkt seiner Erziehung und Sozialisation durch sein Umfeld ist.
Daraus selbstreflektiert herauszuwachsen, gelingt den meisten jungen Menschen bestenfalls in ihren frühen 20er Jahren, wenn sie denn genügend Impulse aus einer vielfältigen Gesellschaft erhalten um sich aus vielen Meinungen eine Eigene zu bilden und dafür die kognitiven Ressourcen mitbringen. Dies trifft auf jeden Menschen zu, unabhängig von dessen Sozialisierung und kulturellem Hintergrund. Manchen aber gelingt das nie, weil ihnen vorgenannte Umstände verwehrt bleiben und wieder andere erachten es auch gar nicht für nötig, weil sie nach abschließender Meinungsbildung zu ihrem bevorzugten Lebensentwurf den der Eltern als weitgehend lebenswert erachten.

Wenn man nun einen jungen Menschen für das Zeigen eines Bildes beurteilt und dabei gleich sein Elternhaus sowie sämtliche möglichen Kontakte inkl. des Schulleiters in Sippenhaft nimmt, ist das bestenfalls grenzwertig. Realistisch betrachtet ist es jedoch höchst übergriffig, denn es handelt sich weder um eine Straftat, noch wurde jemand dadurch geschädigt. Einer freien Gesellschaft aufzuoktroyieren, welche Dinge sie aushalten muss oder nicht, obliegt nicht dem Einzelnen, sondern dem StGB und dem GG. Daran wird auch Herr Vogel nichts ändern können. Er vergisst dabei nämlich auch einen wichtigen Umstand: Es gibt nicht nur die linke (angebliche) Mehrheitsgesellschaft, die sich innerhalb ihrer Blase im Schein des „Guten“ suhlt, sondern auch Menschen, die andere Wertvorstellungen und Lebensentwürfe haben – und das mit Recht. Er vergisst auch, dass eben diese „Guten“ permanent und zunehmend ekelerregend Menschen mit nicht linken Meinungen ausgrenzt und diffamiert, ja diese durch die mediale Dauerbeschallung – größtenteils linkslastiger Medien legitimiert – nicht selten körperlich angegriffen werden. Herr Professor Vogel leistet einen weiteren Beitrag zur Spaltung unserer Gesellschaft mit seiner intoleranten und einseitigen Sichtweise.

In weiten Teilen seines Leserbriefes könnte man die Begriffe genauso gut ersetzen durch „linksextrem“ etc. und würde exakt dasselbe herausbekommen, nur eben mit der tatsächlich stattfindenden Indoktrinierung Jugendlicher durch ideologisch aufgeladene linke und linksextremistische Inhalte, weitergehend mit dem Anspruch, gesellschaftlich als einzige Ideologie anerkannt und richtig zu sein. Aber das wird meist nicht hinterfragt, genauso wie die islamische Kultur und deren teils menschenfeindliche und antisemitische Inhalte von linksindoktrinierten Menschen in der Regel ausgeblendet werden. Stattdessen werden in dem Leserbrief alle möglichen Zusammenhänge konstruiert, bis hin zu Sympathien für den „Sturm auf den Reichstag“, bei welchem auch niemand verletzt wurde und im Übrigen neben der Reichsflagge auch eine türkische und eine Regenbogenfahne zu sehen war. Darüber hinaus zu diesem Vorfall auch noch Sympathien für rechtsextreme Anschläge mit ins Spiel zu bringen ist schon perfide. Dies alles wegen eines Bildes, dessen negative Bewertung man sich ebenfalls – bei historisch selektiver Ignoranz – weitgehend konstruiert hat, einem einzelnen jungen Menschen aufzubürden ist schon harter Tobak. Wo erfährt dieser junge Mensch die Toleranz und die Impulse, die er braucht um sein Weltbild zu überprüfen, wenn er aus der Mehrheitsgesellschaft derartige Ablehnung erfährt?

Wie verhält es sich eigentlich mit Jugendlichen, die in ihren Profilbildern z.B. das Banner der „Antifaschistischen Aktion“ zeigen, einer zunehmend terroristisch agierenden Vereinigung antidemokratischer Wirrköpfe und Schläger, die auf alles und jeden, inkl. unserer Sicherheitskräfte, verbal und physisch eindreschen, der nicht in ihr faschistisches Weltbild passt? Wird da auch noch wochenlang später versucht, den Schulleiter zur Verantwortung zu ziehen, weil er dagegen nichts unternommen hat?

Man muss die völkischen Siedler nicht mögen und man muss ihnen auch nicht mehr Bedeutung zumessen, als ihnen gebührt. Es ist jedoch nichts dagegen einzuwenden, wenn friedliche Menschen ihren Lebensentwurf verwirklichen und diesen auch ihren Kindern weitergeben, solange dies niemand anderem schadet. Ich bin sicher, jeder Einzelne ist in der Lage, diesen Lebensentwurf gegebenenfalls für sich abzulehnen und sich damit nicht der Gefahr einer Indoktrination auszusetzen – oder? Wo ist die vielbesungene, demokratische Toleranz für kulturelle Vielfalt? Merkwürdig, dass man damit weniger Probleme hat, wenn es um zugewanderte Menschen geht, deren Lebensentwurf nicht selten die Ignoranz unseres Grundgesetzes vorsieht.

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